PTN-Tagung 2027 8. Münsteraner Psychotherapietage “Mut zur Vielfalt - Normalität * Neuro-Diversität * Störung”

Save the Date: 8. Münsteraner Psychotherapietage (Veranstaltung für Fachpersonal)

Mut zur Vielfalt
Normalität
* Neuro-Diversität * Störung
12. und 13. Februar 2026 – Franz Hitze Haus - Münster

Vielfalt gilt als Leitwert moderner Gesellschaften. Doch was bedeutet sie wirklich – und wie viel davon halten wir tatsächlich aus? Vielfalt ist ein Versprechen – und eine Zumutung. Während Diversität politisch gefeiert wird,
wächst zugleich die Sehnsucht nach klaren Normen, einfachen Kategorien und eindeutigen Diagnosen. Sie löst Abwehrmechanismen aus, die sich in Polarisierungen und populistischen Vereinfachungen zeigt.


Auch die Psychotherapie bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Seit jeher versucht sie, menschliches Leiden zu verstehen, zu benennen und zu behandeln. Doch jede Diagnose berührt zugleich eine andere Frage:
Was gilt als normal, was als krank? Wo beginnt Störung – und wo lediglich eine andere Form des Seins?

Die Idee der Neurodiversität hat diese Grenze neu ins Gespräch gebracht. Unterschiede im Wahr-nehmen, Denken und Erleben, etwa im Autismus-Spektrum, ADHS, ... erscheinen nicht mehr nur als Defizit, sondern
auch als Variante menschlicher Existenz. Damit verschiebt sich der Blick: von der Korrektur zur Anerkennung, vom Normabweichenden zum Andersartigen.

Parallel dazu verändern digitale Lebenswelten die Art und Weise, wie Menschen sich selbst und andere erfahren. Identität entsteht zunehmend im Wechselspiel zwischen analogem Leben und virtuellen Räumen.
In diese Landschaft tritt nun eine weitere Akteurin: die Künstliche Intelligenz - mit digitaler Diagnostik, algorithmischer Unterstützung und Chatbots. Sie verspricht Erleichterungen, Effizienz und neue diagnostische
Möglichkeiten – wirft aber Fragen nach Beziehung, Verstehen und Verantwortung auf. 


Braucht es in Zukunft noch Psychotherapeut:innen? Oder werden wir zu Kurator:innen menschlicher Erfahrung in einem System, das längst begonnen hat, psychische Prozesse zu vermessen und zu simulieren?
Vielleicht liegt der Mut zur Vielfalt nicht darin, jede Differenz zu feiern. Sondern darin, die Spannung auszuhalten: zwischen Norm und Abweichung, zwischen Heilung und Verstehen, zwischen technologischem
Fortschritt und menschlicher Begegnung.

Die Tagung lädt dazu ein, vertraute Gewissheiten zu hinterfragen: Wird Psychotherapie gesellschaftlich funktionalisiert – oder bleibt Psychotherapie ein heilsamer Ort des Verstehens und Veränderns?
Erweitern wir das Spektrum des Normalen – oder stabilisieren wir gesellschaftliche Normen?


Eröffnungsvortrag:
Prof. Giovanni Maio – Mediziner, Philosoph und Medizinethiker aus Freiburg

„Künstliche Intelligenz und Ethik“

Vortrag Samstag:
Dr. med. Christine Preißmann – Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin, Schwerpunkt Autismus
„Neurodivergenz“


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Die Vielfalt des Tagungsthemas gibt viel Raum für spannende Themen und psychotherapeutische Fragestellungen.
Wer hat Lust, die Tagung mit einer Werkstatt mitzugestalten?

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