Informationen für Erwachsene Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist eine wissenschaftlich anerkannte Behandlung zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, die durch seelische Prozesse hervorgerufen oder mitbedingt sind.

Klassisches Anwendungsgebiet ist vor allem die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen. Immer mehr werden heute auch körperliche Erkrankungen mit Hilfe psychotherapeutischer Methoden mitbehandelt, beispielsweise bei der Bewältigung schwerer Erkrankungen wie Krebs, chronischem Asthma oder in der Schmerztherapie.

Weitere Behandlungsfelder sind unter anderem:

  • Zwänge
  • Psychische Beeinträchtigungen bei traumatischen Erlebnissen, wie Unfällen, sexuellen und/oder körperlichen Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, etc.
  • Psychosen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Suchterkrankungen
  • Essstörungen
  • Erschöpfungssyndrome
  • Schlafstörungen
  • Lebenskrisen und Beziehungsstörungen


Bei der Psychotherapie handelt es sich um eine nicht-medikamentöse Methode, die vor allem aus sprachlichen und gefühlsbezogenen Strategien der Gesprächsführung besteht. Der wichtigste Faktor ist hierbei das persönliche Gespräch zwischen Patient und PsychotherapeutIn, weshalb die Beziehung zwischen beiden von entscheidender Bedeutung ist.

In der Psychotherapie gibt es eine Vielzahl methodischer Vorgehensweisen. Welches Verfahren bei der Behandlung eingesetzt wird, richtet sich in erster Linie nach der Art der vorliegenden Störung und der Ausbildung des Behandlers.

Derzeit gibt es vier psychotherapeutische Verfahren, die unter dem Begriff der Richtlinien-Psychotherapie zusammengefasst sind. So haben es 1998 der Bundesausschuss der Ärzte und die Krankenkassen gesetzlich festgelegt. Eine Aktualisierung erfolgte 2020.

Diese vier Verfahren sind von den Krankenkassen anerkannt und werden finanziert:

(beide zusammen werden auch als psychodynamische Therapieverfahren bezeichnet)

Ihnen liegt jeweils eine umfassende Theorie zur Krankheitsentstehung zugrunde und ihre spezifischen Behandlungsmethoden sind in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich belegt.

Spezielle Therapieverfahren

Viele PsychotherapeutInnen arbeiten inzwischen methodenübergreifend und lassen verschiedene therapeutische Behandlungsverfahren in ihre Arbeit einfließen. Über die Richtlinien-Verfahren hinaus gibt es eine Vielfalt weiterer psychotherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten. Sie alle haben ihren Stellenwert, einige gelten jedoch nach dem Psychotherapeuten-Gesetz von 1998 als (noch) nicht wissenschaftlich anerkannt. In diesen Fällen übernehmen die Krankenkassen keine Kosten.

Im Rahmen der psychodynamischen Therapieverfahren werden Kosten übernommen für

Zu den Therapieverfahren außerhalb der Richtlinien gehören:

Eine psychotherapeutische Behandlung wird von qualifizierten Fachkräften durchgeführt. Sie alle haben ein Studium und eine mehrjährige Zusatzausbildung absolviert und dadurch umfangreiches Wissen über die Entstehung und Behandlung von psychischen Erkrankungen erworben. Mit dieser Qualifikation erhalten sie ihre staatliche Anerkennung, die sogenannte Approbation. Diese staatliche Heilerlaubnis ermächtigt zur psychotherapeutischen Behandlung und ist gleichzeitig eine Grundvoraussetzung zur Abrechnung mit Krankenversicherungen."

Im Bereich der Psychotherapie gibt es verschiedene Berufsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Psychologische PsychotherapeutInnen

Diese haben ein Psychologie-Studium abgeschlossen und anschließend eine mehrjährige, staatlich anerkannte Zusatzausbildung in mindestens einem Therapieverfahren absolviert. Mit der Approbation, der staatlichen Anerkennung dürfen sie den Titel Psychologische Psychotherapeutin, Psychologischer Psychotherapeut führen.

Ärztliche PsychotherapeutInnen

Sie haben zunächst ein Medizinstudium abgeschlossen. Für ihre psychotherapeutische Tätigkeit eignen sie sich im Anschluss weitere Fähigkeiten im Rahmen einer Facharztausbildung oder Weiterbildung an.

Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen

Die Zulassung als approbierte Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen können Diplom-PsychologInnen, Diplom-PädagogInnen, Diplom-HeilpädagogInnen oder Diplom-SozialpädagogInnen erwerben, wenn sie nach ihrem Studium eine entsprechende Zusatzausbildung anschließen.

Darüber hinaus sind alle approbierten PsychotherapeutInnen dem Gesetz nach verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Kontinuierliche Weiterbildungen, Supervisionen und qualitätssichernde Maßnahmen sind für uns Fachkräfte selbstverständlich – sie gewährleisten einen hohen Qualitätsstandard in der Therapieversorgung.

Die Kosten für eine Psychotherapie werden bei den vier aufgeführten Therapiemethoden der Richtlinienverfahren von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Wer eine Therapie aufnehmen möchte, kann direkt eine Praxis Psychologischer PsychotherapeutInnen, Ärztlicher PsychotherapeutInnen oder Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen aufsuchen oder sich von einem Arzt, einer Ärztin überweisen lassen. So sehen es die Regelungen des Psychotherapeutengesetzes vor.

Vor der Therapie treffen sich TherapeutIn und PatientIn zu sogenannten Probatorischen Sitzungen. In diesen Sitzungen wird festgestellt,

  • ob eine fachliche Notwendigkeit (Indikation) für eine Psychotherapie vorliegt
  • ob eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Behandler/in und Patient/tin zustande kommt
  • welche Ziele mit der Therapie verfolgt werden

Während dieser Phase wird von Psychologischen PsychotherapeutInnen oder Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen ein Konsiliarbericht durch eine/n Haus- oder Facharzt/ärztin eingeholt: Diese körperliche Untersuchung ist notwendig, um eventuelle organische Ursachen der psychischen Beschwerden abzuklären. Darüber hinaus kann der Psychotherapeut oder die Psychotherapeutin vorliegende körperliche Erkrankungen und deren Einfluss auf die Psychotherapie berücksichtigen.

Danach wird bei der Krankenkasse ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Der ausgewählte Therapeut, die ausgewählte Therapeutin erklären die genaue Vorgehensweisen und händigen die Formulare aus.

Die psychotherapeutische Behandlung wird in den meisten Fällen als Einzeltherapie angeboten. Dabei kann sehr individuell auf die einzelne Person eingegangen werden. Je nach den individuellen Therapiezielen, Wünschen oder psychischen Problemen kann auch eine Gruppentherapie sinnvoll sein. Die Behandlung in der Gruppe erfordert eine spezielle Ausbildung des Therapeuten, der Therapeutin.

Die Krankenkassen übernehmen in den dargestellten Richtlinien-Verfahren in jedem Fall die Kosten für die Einzeltherapie. Versicherte von Privaten Krankenkassen sollten sich vor Aufnahme einer Psychotherapie bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob und in welchem Umfang die Finanzierung übernommen wird, da es hier unterschiedliche Entscheidungen gibt. Bei einer Gruppentherapie hängt die Kostenübernahme von der Qualifizierung des Therapeuten, der Therapeutin ab.

Je nach psychotherapeutischem Verfahren bewilligen die Krankenkassen ein bestimmtes Stundenkontingent. Es umfasst derzeit für die Einzeltherapie bei einer Verhaltenstherapie maximal 80 Stunden, bei tiefenpsychologisch fundierten Verfahren maximal 100 und bei analytischen Verfahren maximal 300 Stunden.

Kontaktieren Sie Uns!

Büro des PsychotherapeutInnen-Netzwerks Münster und Münsterland e.V.

Gasselstiege 13
48159 Münster

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